Dr. Irma Kern

Lektorin für Slovenisch, Universität Tübingen

Rolf-Dieter Kluge beim Vortrag vor der Gedenktafel an Primus Truber in der St. Gallus-Kirche in Tübingen-Derendingen, 1995

Ich bin traurig, Ihnen mitteilen zu müssen, dass unser Kollege Prof. Dr. Rolf-Dieter Kluge, ehemaliger Leiter des Slavischen Seminars an der Universität Tübingen, am Mittwoch, den 13. März 2024, im Alter von 86 Jahren verstorben ist.

Prof. Kluge war seit 1982 an der Universität Tübingen tätig und forschte und lehrte hier bis zum Sommersemester 2002. 1989/90 war er Dekan der Neuphilologischen Fakultät und 1994/95 Vizepräsident der Universität Tübingen. Nach seiner Pensionierung in Tübingen lehrte er weitere zehn Jahre, von 2002 bis 2012, an der Universität Warschau.

Kluge hat zur russischen, polnischen, serbokroatischen und slovenischen Literatur geforscht und publiziert, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der klassischen russischen Literatur (Puschkin, Turgenjew, Dostojewski, Tschechow, Blok usw.). Ein wichtiger Schwerpunkt seiner Forschungen waren Primož Trubar und die Reformation in den slovenischen Ländern. In den 1980er Jahren knüpfte er enge Beziehungen zu den Professoren B. Paternu, M. Kmecl und J. Toporišič. Anlässlich des 400. Todestages von Trubar organisierte er 1986 in Tübingen zusammen mit dem Historiker Prof. Volker Press ein internationales Symposium über Slovenistik mit dem Titel „Leben zwischen Ljubljana und Tübingen – Primož Trubar und seine Zeit“. Das Symposium fand sowohl in Deutschland als auch in Slovenien große Beachtung und Unterstützung und wurde vom damaligen baden-württembergischen Wissenschaftsminister Prof. Dr. Helmut Engler und seinem slovenischen Kollegen Prof. Dr. Matjaž Kmecl, dem Vorsitzenden des republikanischen Kulturausschusses in Slovenien, eröffnet.

Die von Kluge herausgegebenen Akten erschienen 1995 in München als Buch unter dem Titel Ein Leben zwischen Laibach und Tübingen – Primus Truber und seine Zeit. Intentionen, Verlauf und Folgen der Reformation in Württemberg und Innerösterreich. Es bietet eine kompetente Analyse von Trubar und beleuchtet den breiteren europäischen Kontext seines Werks.

Der Historiker Wilfried Setzler, Mitherausgeber des Sammelbandes Primus Truber 1508–1586 – Der slowenische Reformator und Württemberg (Stuttgart 2011), in dem Rolf-Dieter Kluge einen Überblick über Leben, Werk und Wirkung von Truber veröffentlichte, organisierte in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Tübingen, dem Tübinger Archiv und der Kirchengemeinde Derendingen eine Ausstellung mit slovenischen protestantischen Drucken. Seitdem gilt Tübingen als universitäres Forschungszentrum für Slovenisch-Studien in Deutschland.

Als Prof. Kluge noch aktiv war, fand jedes Jahr ein akademischer Austausch zwischen Ljubljana und Tübingen statt. Wir pflegen diese Verbindungen auch durch das Slovenisch-Lektorat an der Universität Tübingen, und Prof. Kluge hat uns dabei immer sehr unterstützt.

Wir sind ihm dankbar für seinen großen Beitrag zur Etablierung der Slovenistik als wissenschaftliche Disziplin in Deutschland.

Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Irma Kern

(Aus dem Slovenischen übersetzt von Tilman Berger)